Offener Brief zur Situation der Schwimmvereine in Hamburg an die Hamburger Politik

Die Hamburger Schwimmfamilie ist seit geraumer Zeit auf dem Trockenen und eine Änderung ist nicht in Sicht. Wir als Förderverein des Hamburger Schwimm-Club beobachten dies mit Sorge und haben einen offenen Brief verfasst.

Wir wünschen uns eine baldige Öffnung der Hallenbäder in Hamburg, so dass alle schwimmbegeisterten Menschen wieder ihrem Sport nachgehen können.

Wir brauchen das Wasser!

Offener Brief an den Hamburger Senat, Behörde für Inneres und Sport, Behörde für Umwelt und Energie, Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Vereinsschwimmen – gibt es das noch?

Sehr geehrter Herr Tschentscher, sehr geehrter Herr Grote, sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Spannung verfolgen wir die Pressekonferenzen des Hamburger Senats. Die Zahlen der Neuinfektionen in Hamburg und ganz Deutschland sind stark rückläufig, die Zahl der Erkrankten ebenfalls und das Gesundheitssystem stabil.

Leider zeigen die Entscheidungen bezüglich der Öffnungen der Schwimmhallen / Trainingsstätten der Stadt Hamburg deutlich, dass der Schwimmsport in Hamburg keine Lobby hat. Wir als Förderverein des Hamburger Schwimmclubs sind entsetzt darüber, dass alle Sportarten mittlerweile die Option zum Training in ihren Hallen bzw. Sportstätten erhalten, der Schwimmsport aber keine Beachtung findet. 

Für die Schwimmer der Hamburger Schwimmvereine ist keine Möglichkeit eines Trainings im Wasser in Sicht. Die neue Allgemeinverfügung gilt bis zum 30.06.2020 und stellt für unsere Schwimmer eine Katastrophe dar. Wir sprechen hier von Schwimmern, die bis zu 20 Stunden pro Woche im Wasser zugebracht haben und nun seit Monaten auf dem Trockenen sitzen.  

Dabei ist das Sportschwimmen im Becken eine ganz besondere Sportart. Für Schwimmer gibt es keinen Ersatz für das Training im Wasser, dessen spezifische Eigenschaften lassen sich nicht an Land simulieren. Eine langfristige Karriereplanung im Schwimmen ist nicht auf kurzfristige Erfolge ausgerichtet, sondern basiert auf jahrelangem, akribisch geplanten Leistungsaufbau. 

Was junge Athleten jetzt verpassen, lässt sich möglichweise nicht mehr aufholen. Bei Schwimmern zählt jeder Kilometer. 

Wissenschaftliche Studien aus Italien, Spanien und den USA belegen, dass in einem Hallenbad keine erhöhte Gefährlichkeit einer Ansteckung besteht. So hat der DSV kürzlich eine Studie[1] veröffentlicht, die dies ebenfalls bestätigt. Selbst das Umweltbundesamt und die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen bestätigen, dass das Risiko nicht höher ist, als an anderen öffentlichen Orten. 

Wir zeigen Verständnis dafür, dass man unkontrollierten Badespaß als mit einem Risiko behaftet einstuft, aber fordern eine Öffnung der Hallenbäder für die Vereine. Die Trainingsgruppen sind feste Systeme und die Nachverfolgung der teilnehmenden Personen unproblematisch. 

Andere Bundesländer haben diesen Schritt längst gewagt, die Vereine sind bereits im Wasser und trainieren hart, um die Rückstände der vergangenen 3 Monate zu neutralisieren. Jeder Tag länger erschwert für unsere Schwimmer den Wettbewerb im nationalen Vergleich. Von den motivationalen Schwierigkeiten nach der langen Pause ohne Aussicht auf eine Rückkehr ins Becken sprechen wir hier gar nicht. 

Bitte lassen sie die Hamburger Schwimmerfamilie nicht weiter im Trockenen sitzen. 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen können Sie uns gern kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

Sandra Pomsel 

1. Vorsitzende 


[1] https://www.dropbox.com/s/izqj2tywyhs60ah/Myrtha%20Flyer%20deutsch%20STUDIO%20COVID%20-19%20ambiente%20piscina_TED_NORBERT%20THARRA_.pdf?dl=0